Starthaus
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Nach der Silvesternacht im verschlafenen Dschungel tauchte Annelin in die Vorzeit ein. Es war nicht nachvollziehbar, wie ein Haufen ergrauter Steine das Gefühl der Heimkehr wecken könne, aber sie genoss es über alle Maße. An Isabels geschichtlichem Erklärungen über jenes Leben uninteressiert vertraute sich die Schwärmerin ihren Stimmungen und Gedankenflügen an.

 

Piñata ... Annelin sah in Mexico Unmengen davon herumhängen und hielt sie ahnungslos für die weihnachtsübliche Straßendekoration. Erst in Palenque entdeckte sie die ganz andere Funktion der Piñata, welche - im mittelaltterlichen China geboren - bis heute die mexikanische Bühne nicht verlassen hat.

Wenn heute die mexikanischen Geburtstagskinder oder eben auch Erwachsene zu Weihnachten den Stock schwingen, denkt kaum noch einer an den rituellen Kampf gegen die Sünde. Einst stand nämlich der verführerisch schön dekorierte Tontopf für die Versuchung durch das schwer fassbare Böse. Auf Vertrauen in (den europäischen) Gott gestützt ('blinder Glaube' der durch die verbundenen Augen symbolisiert wird) verfügte man über die Kraft von Gott (in dem Schlagstock), um die Sünde zu besiegen. Und der Lohn hagelte dann süß aus dem berstenden Gefäß. Der von Franziskanern eingeführte Ritus - bei einer Zeremonie der altindianischen Religion anknüpfend - war lange Zeit in die Las Posadas-Tradition eingewebt. Kurz vor Weihnachten spielte man die Suche Josefs und Marias nach einer Unterkunft, wo dann Jesus zur Welt kommen sollte, nach und zog singend zu verschiedenen Haushalten, um am Ziel ein Fest mit Piñata zu feiern.

Alina grün